Die Marke - Der Teil, den ich nicht selbst machen wollte
Ich hinterfrage alles, und auch die Art, wie Dinge gemacht werden. Das mag wohl das sein, was ein Designer tut. Ich suche immer nach Sinn in dem, was ich tue. Also: Welchen Sinn hat eine Marke? Und warum bin ich bereit, einer Agentur viel Geld zu zahlen, damit sie das "Branding" für mich macht?
In Theorie, für ein Start-up, hat eine Marke das Potential Vertrauenswürdigkeit zu signalisieren. Schafft man es vor allem Leidenschaft in die Arbeit zu stecken, spüren die Leute das, bevor sie das Produkt überhaupt in den Händen halten. Das war mein Ziel, aber zuallererst hoffe ich, dass du spürst, dass das, was ich tue, echt ist.

Genau deshalb wollte ich nichts minimalistisches machen. Ich will nicht, dass die Marke effizient aussieht. Viele haben nicht die Zeit, oder wollen sogar nicht die Arbeit reinstecken, um etwas zu tiefgründiges zu entwickeln. Es braucht Zeit, die Schichten abzutragen und beim wahren Kern anzukommen.
„Entwerfe bloß nichts, das einen potenziellen Kunden vor den Kopf stoßen könnte." Mit dieser Einstellung werden Marken langweilig. Das passiert wenn sie alles in Gremien entscheiden und kapitalistische Motive im Vordergrund stehen.

Mit Geist wollte ich deshalb einen anderen Weg gehen: die visuelle Identität meiner Marke in der Arbeit von jemand anderem finden.
Ich wollte etwas Persönliches, etwas, das ich selbst nicht übersetzen kann. Ich bin kein Grafikdesigner. Ich hab nicht Jahre damit verbracht, diese Fähigkeit zu meistern. Wenn ich mich vor Tools wie Figma oder Illustrator setze, blockieren sie mich. Unvertraute Werkzeuge sind wie Hürden zwischen der dichten Vision in meinem Kopf und dem leeren Blatt Papier. Profi in etwas zu sein heißt, nicht mehr über das Werkzeug nachdenken zu müssen. Dein Kopf ist direkt mit dem Ergebnis verbunden.
Eines meiner Lieblingswerkzeuge ist der Stift. Erste Ideen werden immer skizziert. Genau das hab ich letztes Jahr beim ersten Anlauf für die Marke gemacht, frei sein und interessante Ansätze für ein Logo finden. Das Schöne am Stift ist, dass man damit so viele Fehler zulässt, und genau da findet man das Interessante.
Eine gute Agentur zu finden, heißt also vor allem, jemanden zu finden, der professionell genug ist, seine interessanten Fehler zum Zentrum seiner oder ihrer Arbeit werden zu lassen. Das nenne ich "Voice". Die Fähigkeit, deinem Instinkt zu folgen und das Selbstbewusstsein zu haben, unkonventionelle Lösungen zuzulassen. Lösungen, die du zwar schön findest, aber nicht sicher weißt, wie sie ankommen. — das braucht Mut.
Als ich nach Agenturen gesucht hab, wollte ich genau diesen Mut finden. Und wenn auch noch der Geschmack übereinstimmt, dann landet man einen Volltreffer. Aus meiner Erfahrung macht es das Entscheiden leicht, wenn man diesem Instinkt folgt.

Ich hab Ufficio auf der anderen Seite der Welt gefunden, in Buenos Aires. Ich finde es immer wieder krass, wie das Internet Menschen von so weit weg so nah zusammenbringt. Und noch krasser finde ich es, dass Menschen, die völlig verschiedene Leben führen, die gleichen Geschmack teilen können.
Also hab ich ihnen ein Briefing geschickt, in dem ich versucht hab, die Essenz dessen zu transportieren, was Geist ist — zusammen mit Produktbildern und Inspiration. Das hab ich über das letzte Jahr hinweg sehr langsam entwickelt, um mir bei den philosophischen und visuellen Implikationen hundertprozentig sicher zu fühlen.






Eine Auswahl an Seiten vom Briefing
Danach haben wir uns im Grunde noch am selben Tag zusammengetan und losgelegt. Wenn's passt, passt's.
Mir hat wirklich imponiert, wie strukturiert Ufficio den ganzen Prozess gehandhabt hat. Es gab einen klar strukturierten Zeitplan, Meilensteine, und definierte Feedbackschleifen. Dennoch hatte ich nicht eine Sekunde das Gefühl, durch diese Struktur die Kontrolle über das Wesentliche zu verlieren: die kreative Entwicklung der Marke. Einfach fantastisch.

Mein Lieblingsmoment in der Zusammenarbeit war ihr zweiter Logo-Vorschlag. Der hat mich richtig geschockt, weil ich nicht erwartet hatte, dass sie Geist in einem 90er/Designers-Republic-Style behandeln würden:

Das Logo hat mich in meine Kindheit zurückversetzt, wo ich wie ich besessen das futuristische Rennspiel Wipeout auf der ersten PlayStation gespielt habe. Stilistisch, für mich, einer der spannendsten Computerspiele aller Zeiten, grad durch den treibenden und ikonischen elektronischen Soundtrack — Musik, von der ich mit 7 Jahren noch gar nichts wusste. Wolfgang Petry war damals Standard auf der Anlage meiner Eltern.
Warum also habe ich mich für die andere gestalterische Richtung entschieden?
Ich bin heute ein anderer Mensch. Ich höre immer noch gerne Techno, aber die meiste Zeit zieht es mich zur Ruhe. Ich versacke gerade tief in Ambient und Downtempo — Musik, die mit komplexen emotionalen Paletten spielen, sich aber auch die Zeit nehmen, diese auszukosten. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Klängen, neuen Formen, und fremdartigen Ideen. Am liebsten bei langen Spaziergängen durch den Park. Diese Stilrichtung steht für all das:

Ich war überrascht und irgendwie fühlte ich mich geehrt, dass Ufficio meine ursprüngliche Logo-Idee aus der „Danger Zone" des Briefings genommen hat. Ich habe den Bereich so genannt, weil ich wollte, dass das Team wählen konnte, ob sie sich von meiner Inspiration und meinen Ideen beeinflussen lassen wollen.
Ufficio hat mir den Mut gegeben, mit einer Richtung zu fahren, von der ich irgendwie von Anfang an wusste, dass sie die Richtige ist. Wovor ich aber die Hose voll hatte.

Dass das Logo aus etwas entstanden ist, das ich selbst gemacht hab, und dass Ufficio so "unbesitzergreifend" (so würd ich's mal nennen) mit ihrer Arbeit umgeht, bedeutet mir mehr als irgendeine 90er-Design-Bewegung. Aber ja — die Neunziger waren schon geil.
Schau einfach mal rein, und ich hoffe, dir gefällt, was wir gebastelt haben:


Auswahl an Poster-Entwürfen
„Die deutsche Romantik glaubte, Objekte könnten etwas tragen, was Worte nicht können. Das japanische Ma besagt, Leere sei nicht Abwesenheit, sondern Möglichkeit. Weder Deutschland noch Japan tun Dinge um des Scheins willen. Beide Kulturen verlangen, dass jede Entscheidung ihren Platz verdient. Präzision, Zurückhaltung, das Weglassen des Unnötigen. Nicht als Stil, sondern als Ethik. Geist will beide Obsessionen vereinen." — Ufficio.

Es gibt noch so viel mehr zu zeigen, aber ich will dich nicht den ganzen Tag aufhalten. Es wird alles Schritt für Schritt zum Leben erweckt.
Was passiert jetzt?
In den nächsten Wochen starte ich einen neuen Kanal Geist Taschenmanufaktur auf Instagram. Ich will die Türen zu meinen kleine Werkstatt öffnen — dieses umgebaute Gästezimmer — und den Prozess und die Praxis des Machens zeigen.
Jede Tasche wird einzeln von Hand gemacht, im Tempo von Sorgfalt.
Bald danach geht die Website online, bin grad fleißig am Bauen, wo du tief in die Materialkombinationen eintauchen und deinen ganz persönlichen Begleiter bestellen kannst.
Boah ey, aufregend!

Bis baldigst!
Euer Mathias